Über meine Bilderwelt
 
Seelenlandschaften habe ich meine frühen, meist kleinformatigen Stift- und Pinselzeichnungen genannt. Als Weltbilder sollten dagegen meine späteren, seit 1973 entstandenen Malereien gesehen werden.

So versuchte ich anfangs innerpsychische Vorgänge zu visualisieren. Ängste und Verunsicherungen waren Ausgangspunkte einer oft labyrinthartigen, manchmal von Alptraum geprägten Darstellungsweise, die Höhlen und Abgründe enthielten, teils in barocker, teils in dem Jugendstil nachempfundener Form oder auch in einer der surrealistischen Ideenwelt verwandten Symbolik dargestellt.

Die persönliche und künstlerische Verarbeitung von Konflikten und Entfremdungserscheinungen in so introvertierter Weise fand bei meinen Arbeiten ein vorläufiges Ende, als die Hoffnung auf Veränderung äußerer Verhältnisse aufkam, mit der auch die subjektiv erlebten Frustrationen die Chance auf eine Überwindung bekommen sollten. Die sozialkritische Auseinandersetzung mit einer inhumanen Umwelt war nun das Thema; Kunst als Waffe und als Heilmittel war nun für einige Jahre zum Motiv für meine Malerei geworden.

Auch heute noch, wo ich die naive Aufdringlichkeit engagierter Kunstauffassung überwunden zu haben glaube, ist für mich die Frage des Verhältnisses von Ethik und Ästhetik nicht gänzlich beiseite geschoben. Durch den Sieg des Marktes mit seinen rabiaten Mechanismen wird vielmehr erneut die Frage gestellt, ob nicht gerade die Kunst Fackelträger eines humanen Weltverständnisses gegenüber einer sich, zwar auf höherem technischen Niveau befindlichen, aber dennoch sich immer mehr dem primitiven biologischen Überlebenskampf angleichenden ökonomischen und damit auch kunstmarkt-ökonomischen Globalentwicklung bleiben sollte.

Meine neueren Bilder sind ein Versuch, diese Spannungen zwischen individueller Verarbeitung und öffentlicher Ansprache auszuhalten. So ist die Idee von der Kunst als Weltsprache und damit der Versuch, zu anderen über dieses Medium Kontakt aufzunehmen und gleichzeitig zur Auseinandersetzung anzuregen, ebenso bei ihnen enthalten wie die spielerische Beschäftigung mit der Form und Farbe sowie der Gestaltung von Körpern, oft in der Darstellung von Verschlungenem, Verworrenem und Verkabeltem.

Aber auch das Abbild einer sich scheinbar verirrenden Realität wird im Augenblick der kreativen Neuerschaffung zum Hoffnungsträger einer doch noch positiv zu bewältigenden zukünftigen Entwicklung.

 
 

Harald Schuppe