Über meine Bilder

 
Die Unzulänglichkeit
  ist offensichtlich.
Der Versuch, das Ganze zu umfassen
  muß mißlingen.
Vielleicht werden bestenfalls
  die Linien sichtbar und
  die Krümmungen,
  die Kabelungen und
  die Höhlungen,
  die Spaltungen,
ganz allgemein die Vernetzungen,
die so charakteristisch sind
  für das Geflecht,
  für den großen Plan,
  für das System des Rätselhaften.
Aber auch nur äußerlich, auch nur das Staunen
  vor den Erscheinungen
die vielfältig und komplex das Ganze
  verwirrt und
  verschlungen
in Färbungen und Schattierungen
  andeuten,
dabei aber die Substanz verbergen,
diese vielleicht aber schon
  ansatzweise beinhalten.
Das Einzelne aufgehoben im Ganzen,
  so wenig klar
  im Verhältnis zueinander.
So bleiben die gezeigten Formen
  Bruchstücke,
Vielleicht wären sie dreidimensional
  sichtbarer
als Röhren, Höhlen, Brücken, Vertiefungen,
  Windungen,
  Erhöhungen,
  Berge, Täler,
  Flächen, Türme.
Dabei miteinander verwoben ist die
  Darstellung des
  Natürlichen
  und des vom Menschen
  Geschaffenen,
dieses die Komplexität nur steigernd,
  nicht erlösend,
  nicht klärend,
nicht zur Substanz vordringend,
lediglich neue Phänome produzierend.
So bleibt die Hoffnung der bildnerischen
  Darstellung,
die Hoffnung auf Teilhabe am Prozess,
an der Erfassung des Ganzen,
an der Entwicklung einer Beziehung
  zum Umfassenden
  und damit
  zur eigenen Mitte,
zur Negierung der Nichtigkeit
  der Beliebigkeit
  des Nichts
zum Triumph des Lebens über die Kälte,
  über die Angst.
     
     
    Harald Schuppe